Geschichte der Tapete
Nackte Mauern, besonders im Innern, waren bei Europäern nicht der
Brauch: Griechen und Römer bemalten ihre Mauern, und archäologische Funde bestätigen die Existenz
von Wandmalereien und Marmortafeln. In der Folgezeit verstärkten Seidenbespannungen,
Stoffbespannungen, Stuck oder Leder dieses Bedürfnis nach Gemütlichkeit, wie auch nach Zierde,
die wir von der Innenausstattung fordern.
Erst die Fortentwicklung und Kombination von Drucktechnik und Papierherstellung hat die Tapete
möglich gemacht.
Als Vorläufer gelten die sogenannten Dominotiers oder Domino-Papiere, die bereits im 17.
Jahrhundert in Frankreich und England produziert wurden. Gedruckt wurde zunächst mit einzelnen
Holzmodeln, die im Zusammendruck einen Rapport ergaben. Diese Technik hatte sich im Stoffdruck
bewährt.
Die Domino-Papiere wurden auch schon als Wandschmuck eingesetzt, sind aber in dieser Anwendung
kaum noch erhalten. Häufiger werden sie als Vorsatzpapier für Bücher und als Auskleidung für
Schränke wiederentdeckt.
Gedruckt wurden heraldische Wappen-Rapporte, Marmorierungen, chinesische Landschaften,
Blumenrosetten und illusionistische Architekturen.
Als wichtigste "Tapeten-Pioniere" jener Zeit seien erwähnt: J.-M. Papillon, J. B. Jackson
und Jean-Baptist Reveillon (1775-1811).
Letzterer hat den Weg für die industrielle Fertigung bereitet, indem er erstmals ganze Rollen im
Stück bedruckte. Das Ende des Handwerks markiert zugleich das Geburtsjahr der Tapete - etwa 1785.
Reveillon baute übrigens auch den ersten Heissluftballon der Gebrüder Montgolfier, aus bemalten
Tapetenbahnen. Die erfolgreiche Flugpremiere fand am 19. September 1785 in Versailles in
Anwesenheit des Königs statt.
Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann das Industriezeitalter der Tapete. Als
entscheidende Neuerung wurde der Rotationsdruck eingeführt. Auf den riesigen Trommeln der
Leimdruckmaschinen konnten bis zu 18 Farben gleichzeitig gedruckt werden. Die Druckwalzen aus
massivem Holz wurden von Formstechern kunstvoll mit Metall-Stegen bestückt, grössere Farbflächen
mit Filz ausgefüllt. Auf Dauer erwies sich diese kunsthandwerkliche Art der Walzenherstellung als
unrationell, die Druckleistung als zu gering. Der Nacheinander-Druck einzelner Farben auf modernen
"Schnell-Läufern" ist gleichmässiger und zügiger.